Evangelische Gemeinschaft Cölbe

erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist

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Wir wünschen Ihnen allen Gottes Segen und Bewahrung!

Rufe zu mir in Tagen der Not. Dann werde ich dich retten, und du wirst mich preisen. (Psalm 50,15)

Verstehst Du auch, was Du liest?

„Verstehst Du auch, was Du liest?“ Diese Frage stellt der Apostel Philippus dem Finanzverwalter der äthiopischen Königin als dieser verzweifelt über Jesaja 53 grübelt (vgl. Apg 8). Ohne Auslegung scheint es unmöglich, die Worte des alttestamentlichen Propheten zu verstehen. Nun ist es interessant, was Philippus dann tut: Er zeigt dem äthiopischen Beamten Jesus Christus, und auf diese Weise wird der Bibelabschnitt, der zuvor dunkel und unverständlich erschien, zum Wegbereiter des Heils und Einstieg in ein neues Lebens in der Gemeinschaft mit Gott. So kann das Lesen der Bibel das ganze Leben verändern!

In einem Widmungsschreiben schrieb der mittelalterliche Missionar Bonifatius, der unter anderem auch in Amöneburg wirkte:

Du sollst wissen, dass Du die einzelnen Bestimmungen des Alten und Neuen Testaments dann in der den Kirchensatzungen entsprechenden Weise verstanden hast, wenn Du in der Mitte mit geistigen Augen betrachtend Christus am Kreuz erblicken kannst, der das Bauwerk der bösen Begierde zerstört und den Tempel der gütigen Liebe erbaut …

[Anmerkung: „in der den Kirchensatzungen entsprechenden Weise“ bedeutet für Bonifatius „in der richtigen Weise“!]

Bei Martin Luther wird es deutlicher:

Freilich gestehe ich, dass viele Stellen in der Schrift dunkel und verschlossen sind, nicht wegen der Erhabenheit der Dinge, sondern wegen der Unkenntnis der Worte und der Grammatik, die jedoch in nichts das Verständnis aller Dinge in der Schrift aufhalten kann. Denn was kann an Erhabenem in der Schrift verborgen bleiben, nachdem […] jenes höchste Geheimnis preisgegeben ist: Christus, der Sohn Gottes, sei Mensch geworden, Gott sei dreifaltig […] Nimm Christus aus der Heiligen Schrift, was wirst Du außerdem noch darin finden? Die Dinge also, die in der Schrift geltend gemacht sind, sind alle zur öffentlichen Kenntnis gebracht, wenn auch einige Stellen bisher aus Unkenntnis der Worte dunkel sind. Töricht und gottlos ist es aber, zu wissen, dass alle Dinge der Schrift im klarsten Licht daliegen, und wegen weniger dunkler Worte die Sache dunkel nennen. Wenn die Worte an einer Stelle dunkel sind, so sind sie an einer anderen klar. Es ist aber ein und dieselbe Sache, die aufs deutlichste der ganzen Welt verkündigt [ist]. (vgl. WA 18,606 und WA 18,609)

Für Luther geht es also in der Bibel um die eine Sache, die völlig klar ist: Die Offenbarung des Geheimnisses Gottes in Jesus Christus – und das letztlich in seinem Tod und seiner Auferstehung. Diese „Sache“ zu begreifen, ist sozusagen Vorraussetzung, um die Bibel zu verstehen. Denn dunkel bleibt die Bibel nur dem, der ihren entscheidend Inhalt verfehlt.

Umgekehrt erschließt sich dieser Inhalt, diese Sache, erst durch die Worte – was auch durch einige unklare Stellen oder Aussagen nicht gehindert werden kann. Bei alldem ist es der Geist Gottes, der die Sache in den Worten einsichtig macht. Da der Mensch ein verfinstertes Herz hat, kann er das, worum es eigentlich in der Schrift geht, von sich aus nicht erkennen. Das Werk des Geistes Gottes sind nun nicht warme Gefühle und wundersame Eingebungen, sondern das Verstehen der Bibel – mit dem Ziel, Jesus Christus zu erkennen und an seinem Kreuz und seiner Auferstehung teil zu haben.

Die Worte der Bibel werden heute auch unter Christen oft als dunkel und unverständlich, als widersprüchlich und realitätsfern wahrgenommen. Das liegt aber vielleicht weniger an der Bibel selbst. Kann es nicht sein, dass bei der Vielfalt der Zugänge, dem Reichtum hermeneutischer Herangehensweisen sowie allem (historisch-kritischen) exegetischen Weggepäck und allen Vorstellungen, die wir haben über das, was in der Bibel stehen müsste, durch unser Tun der eine Weg, der zum Ziel führt, verdunkelt wird?

Es lohnt sich daher, die Bibel immer wieder neu zu hören oder zu lesen und Gott um Verständnis zu bitten, um ihn kennenzulernen und ihm zu begegnen.

Getriebene von der Zeit?

Die Zahl derer, die im Zeitstreß zugrunde gehen, wird immer größer. Psychologen und Mediziner können davon ein Lied singen. Viele fühlen sich überfahren, insbesondere alte, kranke und schwache Menschen, die ängstlich im Gewirr unserer Zivilisation als Untertanen des Zeitgeistes vegetieren müssen wie die Sklaven oder Leibeigenen frühere Zeiten unter ihren Herren.

Diese Worte schrieb Georg Huntemann in seinem Buch „Was wird kommen“. Weiter heißt es dort:

Im Johannesevangelium (1,45 ff.) gibt es die Geschichte von einem Mann, der (sein Name ist Nathanael) sich nicht vorstellen konnte, daß aus Nazareth etwas Gutes kommen könne. Er stand Jesus kritisch gegenüber. Als Jesus Nathanael sah, sagte er zu ihm: „Ein echter Israelit, in dem kein Falsch ist“ (Joh. 1,47). Nathanael — immer noch kritisch — fragt zurück, woher Jesus ihn überhaupt kenne. Da kommt die entscheidende Antwort Jesu: „… da du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.“ Und Nathanael bekennt sofort: „… Du bist Gottes Sohn.“

Als Nathanael „unter dem Feigenbaum war“, war er allein. Er muß sehr allein gewesen sein in einer für ihn bedeutsamen, vielleicht quälenden Stunde, denn er erinnerte sich ja noch sehr genau daran. Jetzt wird ihm gesagt, daß er damals nicht allein war, daß Christus ihn sah! Also: Keine einsame, keine leere Zeit! Die Zeit ist unter den Augen Gottes.

Es gibt also keine Zeit, in der wir von Gott allein gelassen sind – so dunkel und einsam sie uns auch erscheinen mag!

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